
Aufstieg zum Piz Palü, Engadin (Bernina-Gruppe), Schweiz
Berge machen Bilder
Du kennst es aus eigener Erfahrung: Beim Wandern und Bergsteigen verändert sich minütlich die Welt da oben. Das schnelle Spiel der Wolken schafft ständig wechselnde Blicke. Die Perspektive verschiebt die Berge wie Kulissen. Und wenn es dir nicht nur um deine Rekordzeit geht, hast du Zeit zum Schauen und Fotografieren. Aber immer auf die Füße achtgeben.
Auftakt
Von links nach rechts: Oben: Wolkenspiel unterhalb der Notkarspitze, Bayerische Alpen | Gletscherbruch auf dem Normalweg zum Weißmies, Schweiz | Ausblick vom Galmihorn auf den Galenstock, Schweiz | Vor der Kulisse von Bishorn und Weißhorn, Schweiz | Unten: Viel Schuttt auf dem Aletschgletscher, Schweiz | Morgen auf dem Rotsteinpass, Schweiz | Querung des Taschachferners im Aufstieg zur Ötztaler Wildspitze, Österreich | Mystische Stimmung an der Mondscheinspitze, Karwendel, Österreich
Bayerische Alpen, Allgäu und Karwendel
Wilde Kalklandschaft der Nordkette von der Hafelekarspitze, 2.334 m über Innsbruck
Die ersten Jahre meiner alpinen Zeit war ich überzeugt, dass es lohnende Touren nur beim Klettern oder aber in den Hochalpen gibt. Mittlerweile habe ich die Schönheit der Bayerischen (Vor-)Alpen und des Allgäu ebenso entdeckt wie des Karwendels, das sich bis Innsbruck zieht. Die Gipfel sind oft nicht höher als 2.000 bis 2.500 Meter. Trotzdem finden sich auch hier schroffe Wände, atemlos steile Anstiege, aber auch liebliche Seen, verwunschene Königschlösser, urige Hütten, rassige Kletter- und Klettersteigrouten. Von meinem Wohnort bei Nürnberg lassen sich die Talorte vieler Gipfel bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, und die Versorgung wird immer besser - etwa mit dem Bergsteigerbus Nr. 369 von Lenggries/Bad Tölz ins hinterste Risstal (Karwendel) oder der neu eröffneten Buslinie quer rüber von Murnau bis fast an den Fuß des Watzmanns.
Hat man den Trubel des Schlosses Neuschwanstein hinter sich, gehört der weitere Weg den Wanderern
Frischer Neuschnee im Allgäu beim Ausblick vom Hochvogel, 2.592 m
Der erste Höhepunkt beim Aufstieg zur Zugspitze: das wildromantische Höllental bei Garmisch
Tiefblick vom Hochvogel, durch dessen Gipfel sich ein tiefer Riss zieht - hier droht ein großer Bergsturz
Tagesanbruch auf dem Rifugio Mantova (3.500 m), Ausgangspunkt für viele Monte-Rosa-Gipfeltouren
Das Gässi: Hier muss jeder durch, der aufs Barrhorn, Schöllihorn oder Brunegghorn (3.833 m) will
Galt lange als höchster eisfreier Alpenberg: Barrhorn, 3.610 m - jetzt überholt durch das Groß Biegerhorn
Blick vom Weißmies-Hauptgipfel (4.017 m) auf den Südgrat
Von der Signalkuppe / Punta Gnifetti (4.554 m) pfeift es gewaltig die Monte-Rosa-Ostwand runter
Die Eisnase ist das Highlight im Routenverlauf zum Alphubel (4.206 m)
Imponierend sind die Alpen überall, aber nirgendwo sind sie höher als entlang der Grenzverläufe von Schweiz, Italien und Frankreich. Fast aus jedem Tal erheben sich mächtige Viertausender. Berge wie Monte Rosa, Matterhorn, Mont Blanc sind auch Nicht-Alpinisten ein Begriff; Weißhorn, Dent Blanche oder Zinalrothorn kommen für die Kenner hinzu. Mit dem Alpenverein und privat haben mich mehrere Touren in die Gegend geführt, jedes Mal beeindruckt von den Dimensionen und gleichzeitig nachdenklich über die weiter voranschreitenden Veränderungen: Rapide schwindende Gletscherströme lassen staubige Mondlandschaften zurück, die objektiven Gefahren durch Steinschlag nehmen zu, Hütten können kein Trinkwasser mehr anbieten, viele Routenführungen müssen neu durchdacht werden. Und trotzdem will ich noch für viele Projekte in diese großartigen Gegenden zurückkehren.
Nach langem Aufstieg durch Wolken: Plötzlich freie Sicht zum Weißmies-Gipfel
Die Eisnase am Alphubel liegt unter uns - Blick auf Matterhorn, Mont Blanc & Co.
Ostalpen: Rund um Bernina und Ortler
Zwei Hochtourengeher im Anstieg über den Boumillerpfeiler, den mittleren der drei Pfeiler des Piz Palü
Der Piz Bernina, mit 4.049 m einziger Viertausender der Ostalpen, ist für mich noch ein unerfüllter Traum - gerade über die "Himmelsschneide", den Bianco-Grat. Zwei großartige Touren hat mir das Engadin aber schon geschenkt: auf den Piz Morteratsch (3.751 m) und den Piz Palü (3.905 m). An den Namen lässt sich ablesen, dass hier Rätoromantsch gesprochen wird. Eine der vier offiziellen Landessprachen der Schweiz und als archaische Sprache lateinischen Ursprungs mit dem Ladinischen verwandt - erstaunlicherweise sogar ganz entfernt mit dem Katalanischen.
Wer träumt nicht davon, in einen solchen Morgen hinein aufzusteigen?
Zwei aus unserer Gruppe beim Übergang vom Ost- zum Hauptgipfel des Piz Palü (3.905 m)
Beim Aufstieg zum Piz Morteratsch grüßen Piz Palü (3.905 m) und Bellavista (3.921 m) herüber
Mystisch taucht der Piz Bernina (4.049 m) mit dem legendären Biancograt auf
Piz Morteratsch: Vor der Scharte sonnig, dahinter eisig
Westalpen: Zentralschweiz und Berner Alpen
Oberaarhorn (3.631 m): Phänomenaler Gipfelblick Richtung Zentralschweiz
Der spaltenreiche Steingletscher direkt vor der Tierberglihütte (2.795 m)
Eiger, Mönch und Jungfrau - wem wäre das vielleicht berühmteste "Dreigestirn" der Alpen kein Begriff? Und wirklich dominiert diese Kulisse schon aus -zig Kilometern Entfernung die Landschaft. Kein Wunder, denn die Nordwände brechen abrupt bis zu 1.700 Meter tief in die liebliche Alm- und Seenlandschaft des Berner Oberlandes ab. Jenseits dieser imponierenden Mauer muss das Auge dann sehr lange auf Pflanzen und Blumen verzichten. Hier erstreckt sich, geprägt vom bis zu 900 Meter dicken Aletschgletscher, das größte Gletscherreich der Alpen. Und hier steht ein Berg meiner Träume, der riesige Zacken des Finsteraarhorns - einer meiner "Unvollendeten" (siehe Tourengeschichten). Aber auch anderswo hat die Zentralschweiz große Berge und weite Wege zu bieten. Zum Beispiel rund um die Pässe Susten, Grimsel und Furka. Ob unter oder über 4.000 Meter - alle diese Gipfel sind meine Sehnsuchtsorte, seit ich mit acht Jahren "Die weiße Spinne" über die legendäre Erstbesteigung der Eiger-Nordwand gelesen habe. Und heute noch Gänsehaut bekomme.
Auf dem Vorder Galmihorn (3.499 m) mit Blick zum Groß Wannenhorn (3.906 m)
Bilderbuch-Berglandschaft mit dem mächtigen Galenstock (3.586 m), Schweiz
Was für ein Berg: Das Finsteraarhorn (4.273 m) beherrscht die Szenerie um den Aletschgletscher
Morgendlicher Ausblick vom Frühstücksplatz (3.617 m) auf die Ostwand des Groß Grünhorn (4.043 m)
Oben links: Wolkenspiel auf der Tierberglihütte | Oben rechts: In der Natur gibt es keinen Kitsch - morgendlicher Ausblick auf Matter- und Weißhorn |
Unten links: Unser Frühstücksgipfel Oberaarhorn mit Tiefblick auf den Grimsel-Stausee | Unten rechts: Die fast arktischen Dimensionen der Aletsch-Arena
Ostalpen: Hauptkamm (Tauern, Zillertaler, Stubaier ...)
Mächtige Granitplatten und schöne Kletterpartien rund um den Großglockner, Hohe Tauern
Genau im Jahr 1800 wurde der Großglockner erstmals besteigen - ein Vorbote des Goldenen Zeitalter des Alpinismus Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Mensch begann die Alpen als Tourenziel zu begreifen, nicht mehr nur als bedrohliche Trennwand zwischen Nord- und Südeuropa. Bergsteigen wurde zum Selbstzweck, Infrastruktur für Bergtouristen entstand. Vielem davon kann man auch in den großartigen Tälern und Bergen des Alpenhauptkamms heute noch nachspüren - auch wenn man sich für prominente Ziele wie Olperer, Großglockner, Hochfeiler oder Großvenediger mittlerweile Tage aussuchen sollte, an denen die Berge weniger überlaufen sind.
Blick von der Kreuzspitze, 3.457 m, Richtung Hohe Schwärze
Heftiges Blankeisfeld im Zustieg zum Olperer-Nordgrat (Gipfelhöhe 3.476 m)
Gipfelgrat zum zweithöchsten österreichischen Berg, der Ötztaler Wildspitze (3.774 m)
Ausklang eines langen Tages am Olperer - das Abendessen auf der Hütte ist leider schon durch
Gipfelgrat zur Granatspitze, Hohe Tauern: Viel Blockkraxelei - aber mit Wegweiser!
Ötztaler Alpen, Ausblick von der Martin-Busch-Hütte am Similaun
Klettern und Klettersteig | Diverse Gebiete von Mittelgebirge bis alpin
Freiklettern oder Klettersteig - warum "oder"? Beides hat seine Berechtigung. Das Freiklettern, ob als Ein- oder Mehrseillängentour, ist die ursprünglichste Form des Kletterns. Aber auch der Klettersteig (Via ferrata) hat schon eine über 100-jährige Tradition und gehört zum Repertoire alpiner Wege einfach dazu. Wobei ich persönlich finde, dass man mit dem heutigen Erschließungsgrad durchaus einen Schlussstrich ziehen dürfte: Die Himmelsleitern, Flying Foxes & Co., die überall aus den Felsen sprießen und eher Insta-Hotspots als wirklich sinnvolle Besteigungsvarianten darstellen, bräuchte es da nicht. Und bei all dem gilt: Der Freiheitsgrad einer reinen Klettertour, die nicht mit künstlichen Aufstiegshilfen, sondern nur mit Sicherungshaken ausgestattet ist, ist grandios. Wahrscheinlich nur noch durch Free Solo zu überbieten.
Bild links: Was für eine Belohnung für eine Mehrseillängentour! Von einem Klettergipfel im Schweizer Alpstein geht der Tiefblick zum Fählensee.
"Meine" bisherigen Kletter- und Klettersteiggebiete sind fast alle auf relativ kurzen Wegen von Nürnberg zu erreichen: die Fränkische Schweiz mit rund 10.000 erschlossenen Routen, die Sächsische Schweiz, die Bayrischen Alpen und das Karwendel sowie der wildromatische Alpstein im schweizerischen Kanton Appenzell.
Viele meiner Klettertouren beginnen hier "im Wohnzimmer": Fränkische Schweiz bei Nürnberg
Eine der Herkuleskäulen im Elbandsteingebirge (Sachsen) - hier einmal am Seil einer Kletterführerin
Unerschöpfliches Kletter-Eldorado: die "Fränkische Schweiz", hier in einer VII- am Röthelfels
Während einer Vater-Sohn-Tour im Zweiländer-Klettersteig (bis Schwierigkeit D), Kleinwalsertal
Noch einmal Alpspitze - diesmal haben wir die Via Ferrata (bis C) genommen
Platten- und Wasserrinnenkletterei bis UIAA V: Widderalpstöcke, Appenzell, Schweiz
Wasser in den Alpen
Wo Berge sind, ist Wasser? Lange Jahrhunderte galt das so. Wasser in den Alpen war gespeichertes Süßwasser in Form mächtiger Gletscher, es war fließendes und kristallklares Wasser, das in Bächen, Wasserfällen und schließlich breiten Strömen wie Rhone, Rhein, Inn oder Ticino ins Tal und schließlich in verschiedene Meere floss. Für die Menschen in den Bergen ist es lebensnotwendig: die Bergbauern, die früher lieber den kargen Boden auf der Höhe beackerten, als anderen im Tal als Knechte und Mägde zu dienen; die Hüttenwirtinnen und -wirte, die über Monate hinweg sieben Tage in der Woche für ihre Gäste da sind; die Einwohner und Gewerbebetriebe im Tal; und nicht zu vergessen die Tiere in den Bergen: Für sie alle ist Wasser Lebenselixier. Heute ist es durch die Gletscherschmelze akut bedroht - und es bedroht Menschen, Dörfer und Existenzen wie in Blatten (Schweiz), wo 2025 eine ganze Gemeinde vernichtet wurde. Noch aber können wir uns an grün, türkis, blau oder geheimnisvoll dunkel schimmerndem Wasser in den Alpen erfreuen und erfrischen. Machen wir uns immer bewusst, wie wertvoll jeder Tropfen davon ist.
Bild links: Der Glasbach-Wasserfall bei Jachenau (Bad Tölz), Deutschland
Von Tautropfen über Gletscher-Schmelzwasser bis zu den großen europäischen Seen - Wasser gehört zum Landschaftsbild der Alpen und ist als eindrucksvolles Bildmotiv immer willkommen. Oder, wie an der Zugspitze und im Schweizer Alpstein erlebt, als sehnsüchtig erwartete Gelegenheit, die eigenen Trinkvorräte aufzufüllen.
Von den Bergen über dem Tannheimer Tal erschließen sich immer wieder Tiefblicke auf den Haldensee
Bayerns größter See: Das Schilfgras am Chiemsee noch in winterlichem Grau
Die Mondscheinspitze liegt noch vor uns - der Blick auf den Achensee rechtfertigt die Verschnaufpause
Zauber des Morgens: Grimsel-Stausee in den Berner Alpen vom Oberaarhorn
Zauber des Abends: Sarner See, Kanton Obwalden, Schweiz
Vier Wände zwischen Felswänden: Hütten und Biwaks
Abenteuerlich klebt die Oberaarjochhütte am Felsen - vom zurückgehenden Gletscher aus nur noch über einen kurzen Klettersteig erreichbar und ständig steinschlaggefährdet
Was wären die Alpen ohne ihre Hütten? Kein anderes Gebirge der Welt hat eine solche Infrastruktur: kleine feste Holz- oder Steinhäuser, die an Felsnasen kleben, über Gletschern thronen oder direkt auf dem Gipfel sitzen. Drinnen Platz für manchmal 30, manchmal auch mehr als 100 Menschen, die schlafen und essen, ratschen, spielen oder auch mal musizieren wollen. Überall ist es eng, kaum Platz, um ausgiebig im Rucksack zu kramen und alles rauszuschmeißen, was nicht für die Gipfeltour gebraucht wird. Die Nächte sind unruhig, um drei Uhr treibt es die ersten zum Gipfel. Manchmal gibt es kein frisches Wasser, manchmal nur eine Toilette für 30 Menschen. Warum tut man sich das alles an? Weil Hütten großartig sind! Sie sind unser Dach über dem Kopf in wilder Berglandschaft. Sie geben uns ein Frühstück und ein warmes Abendessen, nachmittags Kaffee und Kuchen, auf vielen Hütten können wir warm duschen und auf fast allen unsere Handys aufladen. Es ist fast unglaublich, was Hüttenwirte und -wirtinnen möglich machen. Sie sind unerschütterlich, sie sind überall, manchmal sind sie sehr resolut, aber immer Anlaufstelle für alle Sorgen, Nöte und gern auch ein verdientes Lob. Oft geht das Angebot über einen Schlafplatz, einen Sitzplatz am Kachelofen und ein leckeres Essen hinaus. Was davon wirklich notwendig ist, mag jeder für sich entscheiden. Ich käme auch ohne WLAN und mit kalter Dusche klar. Oder, wie auf der Finsteraarhornhütte, auch mal ganz ohne alles. Solange es eine Matratze und ein Frühstück gibt.
Capanna Margherita (4.554 m) - höher kann man in Europa nicht wohnen
Tribut an eine Königin
Die Königin aller Alpenhütten ist tatsächlich einer Königin gewidmet: Capanna Margherita (4.554 m) auf dem Gipfel der Signalkuppe / Punta Gnifetti im Monte Rosa, das höchste Gebäude Europas. 1893 wurde sie zu Ehren von Margherita von Savoyen eingeweiht. Zu ihrem Leidwesen ließ man sie, obwohl begabte Bergsteigerin, nur per Pferd aufsteigen - ein Fußmarsch geziemte sich nicht. Aber es spricht für die Monarchin, dass sie auf der Hütte nächtigte, auf der nicht wenige Besteiger höhenkrank werden.
Einladend: das Rifugio (Città di) Mortara, erste Etappe zum Monte Rosa von Alagna Valsesia
Klein und wetterfest wie der alte Bau der Weißmieshütte - so sahen Hütten ursprünglich aus
Vor der Turtmannhütte (2.519 m) - schon mit Blick auf den ersten Viertausender, das Bishorn (Walliser Alpen)
5:30 Uhr auf der Oberaarjochhütte (3.258 m), Berner Alpen: höchste Zeit für eine Kraxelei zum Hüttengipfel Oberaarhorn im Licht der Stirnlampen
Auf sonnigen Hüttenterrassen trocknen Seile und Wäsche im Schnelldurchgang - wie hier auf dem Rifugio Mantova (3.500 m)