Vorbereitung, Ausrüstung & mehr

Welches Schuhwerk für welche Tour? Was gehört in den Rucksack und was nicht? Wie kommen eigentlich die Zeitangaben in diversen Tourenbeschreibungen zustande? Im Folgenden findest du ein paar grundlegende Tipps und Erkenntnisse aus der Praxis. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ohne Promotion für Marken oder Ausrüster - denn die wichtigste Komponente zum Gipfelerfolg bist du ohnehin selbst.

Gepäck

Manchmal muss man Dinge erst falsch machen, um sie zu lernen. Wir haben einmal auf einer Tour auf einen mittleren Dreitausender das volle Hochtouren-Equipment mit auf die Hütte geschleppt - Seil, Klettergurte, Steigeisen, Eispickel, Helme. Dazu Klasse-C-Hochtourenschuhe. Überholt wurden wir von vielen Menschen, die leichtfüßig, mit Trekkingschuhen und teilweise mit Tagesrucksäcken unterwegs waren. Sie hatten einfach vorher sichere Informationen eingeholt, dass der Gipfelaufstieg zu dieser Zeit komplett eisfrei war. Seitdem beherzige ich die goldene Regel: So viel Gepäck wie nötig, so wenig wie möglich - denn am Berg zählt jedes Gramm.

Welcher Rucksack für welche Tour?

Für eine Tagestour sollte ein bequemer 25-Liter-Rucksack ausreichen. Sehr nützliche Features sind: Schlaufen für Trekkingstöcke, seitliche Netze für den schnellen Zugriff auf Trinkflaschen sowie im Bauch- oder Brustgurt angebrachte Fächer für Handy, eine 0,5-Liter-Flasche, Kompaktkamera und Ähnliches.

Auf einer Mehrtagestour mit Hüttenübernachtung muss es ein 35+10-Liter-Rucksack tun, sonst schleppst du zu viel mit. Die Angabe +10 steht für das Deckelfach, das du entweder zusätzlich nutzen oder einklappen kannst. Spezielle Schlaufen, die extra für den Eispickel vorgesehen ist, sollten auf jeden Fall dabei sein. Gern auch Karabiner, an denen du deine (vom Gletscherschutt gereinigten) Steigeisen außen am Rucksack aufhängen kannst - so können sie schon trocknen, während du noch den restlichen steigeisenfreien Weg zur Hütte zurücklegst. Gute Rucksäcke bieten auch Features wie eine Notfall-Trillerpfeife, die in den Schultergurt integriert ist. Natürlich sind gute Polsterung, Hinterlüftung etc. angenehme Features. Puristen lassen diese aus Gewichtsgründen aber oft weg: Wer es leicht will, muss mit weniger Komfort auskommen.

Einen noch größeren Rucksack brauchst du nur, wenn du vorhast, im Freien zu schlafen (dann bitte auf die Gesetzeslage vor Ort achten! In sehr vielen Ländern darfst du außer in Notfällen kein Zelt in freier Natur aufschlagen). Ein großer Tourenrucksack, in den u.a. Zeltstangen, Zeltplane, Schlafsack, Isomatte und ein kleiner Kocher passen, geht ab 55+10 Litern los. Dann musst du dich beim Rest allerdings auf das absolute Minimum beschränken und solltest bei Themen wie frische Klamotten bereit sein, deine Komfortzone zu verlassen :).

Was gehört rein - was nicht?

Im Netz findest du viele Packtipps, die sorgfältig von Profis zusammengestellt wurden - einschließlich Packlisten zum Runterladen. Mit Suchbegriffen wie "Packlisten Hochtour", "Bergtour Rucksack packen" o.ä. findest du es heraus. Was nehme ich persönlich mit?

Auf Tagestouren: Natürlich Speis & Trank (ausreichend Wasser oder ungesüßter Tee, die Menge hängt von den verfügbaren Auffüllmöglichkeiten unterwegs ab; Riegel, Traubenzucker, Nussmischung und Bananen für schnelle Kohlenhydratzufuhr). Außerdem unter anderem einen Biwaksack und eine Rettungsdecke, ferner ein paar robuste leere Kunststoffbeutel, um den Rucksackinhalt zu schützen, wenn es vom Himmel runterduscht. Zusätzlich kannst du den Rucksack selbst mit einem Überzieher schützen. Der deckt aber nicht den Rücken ab, von wo die Nässe dann früher oder später auch nach innen durchdringt.

Bei Mehrtagestouren bitte auf der Homepage der Hütte herausfinden, ob du einen Hüttenschlafsack (aus Leinen oder Kunststoff, sehr leicht) brauchst. Den keinesfalls vergessen! Ansonsten an Ohrstöpsel gegen die Hüttenscharcher, Sonnencreme (mindestens LSF 30, besser 50) und - ganz wichtig - auch an einen Fettstift mit Sonnenschutz für die Lippen denken. Was Wäsche angeht: Traue dich, nur das Minimum einzupacken. Du wirst zum Beispiel keine zwei Fleece-Teile brauchen. Durchgeschwitzte Unterwäsche, Socken und T-Shirts kannst du meistens auf der Hütte oder an einem Bach waschen und mit deinen eh mitgenommenen Karabinern und Reepschnüren draußen zum Trocknen aufhängen. Oder du hast gleich Merino (ohne Mulesing, weil sonst Tierquälerei) im Einsatz. Da reicht Auslüften, den Rest macht das Naturmaterial von selbst.

Wie schwer darf der Rucksack sein?

Auf Mehrtagestouren sollte das absolute Maximum 10-12 Kilogramm sein. Die drücken nach ein paar Stunden im Aufstieg schon ganz schön. Ist ein Kletterseil dabei, kommt das noch obendrauf, wird aber in einer guten Seilschaft natürlich abwechselnd getragen. Grundsätzlich gilt: 1. Reduzieren, 2. Gewicht richtig verteilen (auch dazu gibt es viele Seiten und Social-Media-Beiträge, die genau zeigen, wie es geht), 3. Informieren, was du wirklich brauchst - je nach aktuellen Verhältnissen und Wettervorhersage. Wie für alles gibt es Social-Media-Gruppen zu diesem Thema, auch die Hüttenwirte geben telefonisch oder per Mail Auskunft (haben aber natürlich auch noch anderes zu tun), und wenn du mit dem Auto anreist, kannst du oft sogar noch am Talort entscheiden, was du wirklich mitnehmen musst.

Zeltausrüstung plus Klettersteigtour - alles auf diesem Bild war bei diesem Projekt notwendig und im Einsatz. Einer der wenigen Fälle, wo ich wirklich einen großen Tourenrucksack mit 55+10 Litern gebraucht habe.

Schuhe

Heute gibt es eine unüberschaubare Vielfalt an Trekking-, Wander-, Kletter- und Hochtourenschuhen. Auch wenn ich mittlerweile einige Erfahrung gesammelt habe, würde ich nie einen Schuh irgendwo im Internet kaufen, sondern immer die persönliche Beratung durch Fachleute suchen. Oben im Berg kann sie Gold wert sein. Zumindest mehr als die paar Euro, die sich vielleicht online sparen lassen. Hier rechts findest du mein Wissen, das ich gern teile, das aber keine Expertenmeinung ersetzen kann und soll.  

Welche Schuhe für welche Tour?

Für die meisten Touren im Mittelgebirge, Voralpenland und teilweise sogar in den höheren Bergen sind leichte Trekkingschuhe mit guter, griffiger Sohle eine gute Wahl. Sie machen dich beweglich und leichtfüßig. Einen Schuh mit Schaft solltest du tragen, sobald es in ernsteres Schrofengelände geht, wo du lose Steine und Geröll unter den Füßen hast oder im Abstieg auch einmal "surfen" willst - hier ist das Risiko des Umknickens naturgemäß höher. Wirkliche Hochtourenschuhe ("Klasse C") brauchst du, wenn gemischtes Gelände einschließlich Gletschern angesagt ist. Sie zeichnen sich durch eine steifere Sohle und ausgeprägte Kante an der Ferse aus, die dir ermöglicht, Steigeisen zu befestigen. Bei echten Alpintouren wirst du froh über sie sein - auch wenn sie schwerer sind und dir ganz schön an den Füßen hängen, sobald du wieder Almengelände erreichst.

Ist es sinnvoll, mehrere Schuhe mitzunehmen?

Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Zum Beispiel, wenn du einen wirklich langen Hüttenzustieg auf befestigten Wegen hast - da kann ein Hochtourenschuh dich schon ausbremsen, und du lässt ihn erst mal am Rucksack baumeln und ziehst ihn erst am nächsten Tag zum Gipfelaufstieg an. Grundsätzlich ist natürlich abzuwägen, ob der Zugewinn an Komfort das Extra-Gewicht rechtfertigt.

Was, wenn ein Schuh unterwegs kaputt geht?

Das ist eine Erfahrung, die richtig unangenehm werden kann. Gerade hast du den Abstieg begonnen, Wolken ziehen auf, du willst einen Zahn zulegen - und dann klafft die Sohle auf und macht das Weitergehen fast unmöglich. Bei den heutigen Schuhen, wo Material nicht mehr vernäht, sondern geklebt wird, ist das leider überhaupt nicht mehr auszuschließen. Ich weiß nur zwei Dinge, die helfen: erstens viel beanspruchte Schuhe nach drei, vier Bergsommern proaktiv reparieren lassen (oder notfalls leider ersetzen). Und zweitens zur Sicherheit immer zwei bis drei Kabelbinder dabeihaben - sie wiegen wenig, können dir aber im Notfall den Weiterweg retten.

Nette Deko an einem Wegweiser zum Weilheimer Haus, gefunden im Estergebirge in den Bayerischen Alpen. Was natürlich zu der Frage anregt: Wann sollte man alte Bergschuhe an den Nagel hängen? 

Gehzeiten

Ob gemütliche Zweieinhalb-Stunden-Almwanderung oder mehrtägige hochalpine Tour - entscheidend ist, vorher sicher einschätzen zu können, was das Projekt einem abverlangt. Die Zeitangaben im Netz und vor Ort helfen, sich realistische Ziele zu setzen und die eigenen Kräfte richtig einzuteilen.

Wie werden Gehzeiten berechnet?

Die offiziellen Zeitangaben, beispielsweise auf Wegweisern, berechnen sich aus zwei Faktoren: Höhendifferenz und Entfernung der Tour. Bei der Höhendifferenz geht man von durchschnittlich 300 Höhenmetern pro Stunde aus, bei der Entfernung von vier Kilometern. Nun geht es darum, welcher der beiden Faktoren die längere Zeit ergibt. Beispiel: Eine Tour bietet eine Höhendifferenz von 1.200 Metern. Dies ergibt vier Stunden. Gleichzeitig ist sie zwölf Kilometer lang, also drei Stunden. Die Zeit für die Höhendifferenz ist demnach die größere. Sie wird zu 100% berücksichtigt. Die Zeit für die Strecke ist die kleinere; sie wird zu 50% einberechnet. In der Summe ergeben sich 4 + 1,5 Stunden, also voraussichtlich 5,5 Stunden Gesamtzeit.

Gilt die Gehzeitenberechnung international?

Zumindest die Schweiz hat eine andere Berechnungsmethode als Deutschland und Österreich. Die ziemlich komplizierte Formel dort habe ich noch nicht ganz verstanden - ich weiß nur: In der Schweiz sind die angegebenen Zeiten sportlich, und bei vielen Touren muss man sich ranhalten, um sie wirklich zu erreichen. 

Wie verlässlich sind die Zeitangaben?

Ich verstehe sie als ungefähre Anhaltspunkte, die wichtig für die Planung sind (siehe auch "Umkehrzeiten"). Aber natürlich bilden solche Angaben nicht die tagesaktuellen Bedingungen ab (z.B. Vereisung), sie beziehen keine "Verhauer" ein (auf dem Grat mal kurz verklettert = eine halbe Stunde Korrekturzeit), und schon gar nicht können sie deine Tagesverfassung kennen. Fazit: als Richtwert gut - der Rest ist individuell. 

Manchmal kommen sie uns untertrieben, manchmal übertrieben vor - auf jeden Fall geben die Gehzeiten wertvolle Orientierung. Online ebenso wie auf den guten alten Wegweisern.

Umkehrzeiten

Wer eine größere Tour plant, sollte einen Zeitpunkt fest im Blick haben: die späteste Umkehrzeit. Sie besagt ganz einfach, wann der Gipfel oder ein anderes Ziel erreicht sein sollte - wenn das nicht der Fall ist, sollte man vernünftigerweise den Rückweg antreten. Im Winter ist die Umkehrzeit anders als im Sommer, beeinflusst wird sie aber auch von tagesaktuellen Faktoren wie Gewitterneigung oder Wetterumschwüngen. 

Warum Umkehrzeiten?

Weil Umkehrzeiten dabei helfen, gut, sicher und im Tageslicht wieder zurück zur Hütte oder ins Tal zu kommen. Viele Wanderer und Bergsteiger kennen die Erfahrung: Der Gipfelaufstieg hat länger gedauert als eingeplant - doch der Ehrgeiz hat uns weiter hochgetrieben. Auf dem Rückweg bricht dann die Dunkelheit ein, im Schein der Stirnlampen sieht das Gelände anders aus als im Aufstieg, der Proviant ist aufgegessen und alle Trinkflaschen geleert. Jetzt noch einmal im unwegsamen Terrain verfransen, und die Moral sinkt rapide ab. Im schlimmsten Fall muss die Bergrettung einspringen. Besser also das Gipfelprojekt zur Umkehrzeit abbrechen, auch wenn es im ersten Moment schmerzt - und dafür mit frischer Kraft und besserer Berechnung wiederkommen.

Wie berechnet man sie?

Ganz einfach: Lege die auf Wegweisern oder in Tourenportalen angegebenen Zeiten für Auf- und Abstieg zugrunde und packe noch mindestens eine Stunde Reserve drauf. Wenn du z.B. um 5:30 gestartet bist willst und der Aufstieg einschließlich Reserve mit sechs Stunden veranschlagt ist, du aber um 11:30 immer noch unterhalb des Gipfels herumkraxelst, mach' die 180°-Wendung und kehr' um. Vor allem, wenn ab dem Nachmittag Gewitterneigung vorhergesagt ist (der Klassiker in den Bergen vor allem von Juni bis August). 

Was ist, wenn man kurz vor dem Gipfel ist?

Oft sieht der Gipfel zum Greifen nah aus. Vielleicht zeigt deine intelligente Uhr auch an, dass es nur noch 150 Höhenmeter sind. Aber Entfernungen und Höhendifferenzen sind nur ein Faktor. Genauso wichtig: Wie schwierig ist das Gelände, wie komplex die Wegfindung? Entwickeln sich schon Quellwolken? Hast du noch genug "Körner", um dein Tempo beizubehalten? Mit genug Ehrlichkeit zu sich selbst ist es oft ratsamer, auch einen nahen Gipfel "liegenzulassen", wenn die Umkehrzeit gekommen oder überschritten ist.

An einer so markanten Stelle mit fantastischer Aussicht umkehren? Ja - rund 250 Höhenmeter unter dem Gipfel des Brunegghorns (3.833 m) entschlossen wir uns tatsächlich, den Rückweg anzutreten. Wir hatten viel Zeit für die Routenfindung aufgewendet - und noch eine Neun-Stunden-Rückfahrt aus dem tiefsten Wallis (Schweiz) nach Deutschland vor uns. Ins Bett ging's dann um 3:30 am nächsten Morgen. 

Bergrettung

Wer in die Berge geht, hofft, sie niemals zu brauchen: die Bergretter. Was aber, wenn doch einmal eine Notsituation auftritt? Das Wetter schneller umschlägt als vorhergesagt? Ein Knöchel umknickt? Der Körper unterkühlt ist? Wir einem Stein nicht ausweichen konnten? Oder es trotz Einhalten der Umkehrzeit einfach zu spät geworden ist? Dann brauchen wir die Hilfe von Menschen, die diesen Job für andere machen und sich dabei manchmal selbst in Gefahr bringen müssen: die Heldinnen und Helden von der Bergrettung.

Wie alarmiere ich die Bergrettung?

Egal wo du in den Alpen unterwegs bist: Mit der europäischen Notrufnummer 112 machst du nichts falsch. Sie ist der Generalist für die Alarmierung von Bergrettung, Polizei und Rettungsdienst. Spezifischer ist in Österreich die 140, sie führt direkt zum Bergsport-Notruf; ähnlich in der Schweiz die 1414 oder 144. Ganz wichtig: Hast du gerade kein Netz - was in den Bergen immer passieren kann - musst du dein Handy aus- und wieder einschalten. Dann nicht deine PIN eingeben, sondern die 112. Ebenfalls sehr zu empfehlen: die kostenlose App "SOS-EU-ALP". Sie ortet dich automatisch. Außerdem kannst du Kontaktdaten von Personen hinterlegen, die benachrichtigt werden sollen.  

Kommt die Bergrettung immer?

Nein, darauf gibt es keinen Anspruch. Die Retterinnen und Retter sind völlig zu Recht nicht verpflichtet, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Zum Beispiel bei dichtem Nebel: Sie werden dann sicher alles versuchen, dich per Fußmarsch zu finden. Gelingt das aber nicht, kann bei diesem Wetter auch kein Helikopter starten. Jetzt hilft nur Durchhalten (wichtig: Biwaksack, Rettungsdecke, evtl. Notbiwak in den Schnee graben) - bis besseres Wetter kommt.

Wie viel kostet mich ein Rettungseinsatz?

Das hängt natürlich davon ab, wie aufwändig der Einsatz ist. Eine Bergung mit dem Helikopter verursacht ganz schnell Kosten von 3.000 bis 5.000 Euro. Die beste und einfachste Absicherung dagegen ist eine Mitgliedschaft im jeweiligen Alpenverein. In Deutschland ist mit der DAV-Mitgliedschaft auch die Rettung aus alpinen Notfällen versichert. Hinzu kommen weitere Vorzüge wie reduzierte Hütten- und Kletterhallentarife, die Vereinszeitschrift und das garantierte Übernachtungsrecht auf Alpenvereinshütten (notfalls in der Besenkammer oder unter dem Tisch in der Gaststube, aber irgendeinen Platz bekommst du). 

Im Deckel- oder Innenfach vieler Rucksäcke findet sich eine Schnellübersicht an Notfallnummern und Verhaltenstipps. Wichtige Hinweise für den Fall, dass es am Berg mal kritisch wird.